Elektrosanierung

Ablauf, Dauer und Kosten von Elektroarbeiten

17.10.2022  |  Ina Schulz  |  Lesedauer: 8 Minuten

Handwerker baut bei Elektrosanierung neue Steckdosen ein

Eine Elektrosanierung ist die Basis vieler Wohnungssanierungen. Die Elektrik in Wohnungen und Häusern unterliegt dabei strengen Richtlinien. Gemäß der Niederspannungsverordnung (NAV) müssen alle Arbeiten hinsichtlich der Einrichtung elektrischer Anlagen von Fachbetrieben durchgeführt werden, die sich mit den Risiken genau auskennen. Der Grund ist zum einen, dass elektrische Leitungen für alle Anwohner sicher installiert werden müssen. Zum anderen greift bei Störfällen nur so auch der Versicherungsschutz.

Gerade bei alten Immobilien ist die Elektrik oft stark veraltet und entspricht nicht mehr den heutigen Sicherheitsbestimmungen. Daher ist eine Elektrosanierung oft unumgänglich. Die Sicherheit von Menschenleben hat schließlich immer Vorrang. Daher müssen die Fachbetriebe auch immer anerkannt und die verwendeten Materialien für Elektroinstallationen zugelassen sein.

Was ist eine Elektrosanierung?

Bei einer Elektrosanierung wird die Elektrik eines Gebäudes oder eine Wohneinheit rundum erneuert. Die Elektrik muss erneuert werden, wenn sie entweder nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik entspricht und Sicherheitsbedenken bestehen oder nach Schäden durch Brand oder Wasser. Bei Gebäuden, die älter als 40 Jahre sind, entsprechen die elektrischen Anlagen weder den aktuellen Sicherheitsstandards noch den Ansprüchen an modernes Wohnen. Bei der großen Anzahl der Verbraucher, die am Netz hängen, ist die Hauselektrik bei Altbauten schnell überlastet. Auf Dauer kann dies zu Schäden und Ausfällen führen.

Bei veralteter Haustechnik kann zum Beispiel noch kein Schutzschalter installiert worden sein. Ein Fehlerstrom-Schutzschalter schützt vor lebensbedrohlichen Stromschlägen, wenn es zu Fehlströmen innerhalb des Stromkreises kommt. Diese Sicherheitsmaßnahme ist seit 2007 verpflichtend, sobald ein neuer Stromkreis eingebaut wird, also sogar schon bei dem Einbau oder Versetzen einer Steckdose. Sobald eine Sanierung ansteht, sollte daher auch immer die Elektrik bedacht werden.

alter Sicherungskasten, der einer Elektrosanierung bedarf

Allgemeine Leistungen von Elektroinstallationsfirmen im Überblick:

  • Neuverlegung sämtlicher elektrischer Leitungen
  • Austausch von schadhaften Steckdosen, Kabeln oder Schaltern
  • Anschluss von Waschmaschine und Herd
  • Installation von Starkstromanschlüssen, zum Beispiel für eine Sauna
  • Schutzleiter setzen
  • Installation von Funkschaltern und Bewegungsmeldern
  • Anbringen von Lampen

Teilsanierung oder Vollsanierung der Elektrik?

Je nach Alter und Zustand der Hauselektrik reicht eine Teilsanierung oder es muss eine Vollsanierung durchgeführt werden:

Teilsanierung

Wenn die elektrischen Leitungen in Ordnung sind, aber ein paar Verbesserungen für den Komfort und die Sicherheit anstehen, spricht man von einer Teilsanierung. Dazu gehört der Einbau neuer Steckdosen oder Leitungen für Lampen. Auch Arbeiten, die sich auf den Sicherungskasten beschränken, gelten als Teilsanierung.

Vollsanierung

Bei der Vollsanierung werden alle Bestandteile der Hauselektrik in der gesamten Wohneinheit erneuert. Dazu werden alle Kabel und Leitungen sowie alle weiteren elektrischen Systeme entfernt. Da der Aufwand hier entsprechend groß ist, finden diese Arbeiten meist im Rahmen einer Kernsanierung statt.

Aufputz, Unterputz oder Im-Putz?

Die Verlegung der elektrischen Leitungen unter dem Putz ist der Standard. Schon beim Hausbau werden die entsprechenden Schlitze für die Leitungen erstellt. Hierbei ist es sinnvoll, Leerrohre durch die Schlitze zu ziehen und darin die Kabel zu verlegen. So können auch später noch relativ einfach weitere Leitungen verlegt werden, ohne dass die Wände wieder komplett geöffnet werden müssen.

Werden Leitungen im Putz verlegt, werden dafür Stegleitungen verwendet. Diese Methode ist für den nachträglichen Einbau oder das Nachrüsten von Leitungen gut geeignet, wenn man die Wände nicht komplett öffnen möchte oder kann.

Leitungen auf Putz sieht man manchmal noch in Altbauten. Bei Gebäuden, die um 1900 oder früher gebaut wurden, gehörte elektrischer Strom, insbesondere in ländlichen Regionen, noch nicht zur Standardausstattung und musste später nachgerüstet werden. Die Verlegung auf dem Putz ist die einfachste und schnellste Methode für den nachträglichen Einbau. Zudem ist es sehr günstig, da deutlich weniger Arbeitszeit dafür benötigt wird. Heute wird diese Methode noch häufig in Kellern, auf Dachböden und in Garagen genutzt, da die Optik hier nicht entscheidend ist.

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Wissenswertes zu Elektroarbeiten

Eine Wohnraumsanierung ist immer ein aufwendiges Projekt. Dazu fallen meistens Kosten an, mit denen im Vorfeld nicht zu rechnen war. Für den Laien ist insbesondere bei elektrischen Systemen oft nicht erkennbar, in welchem Zustand sie sich befinden. Solange der Strom fließt, scheint alles in Ordnung zu sein. Deshalb ist gerade beim Erwerb älterer Immobilien ein Check durch eine Fachfirma ratsam.

In Deutschland sind ausschließlich Elektrofachkräfte berechtigt, elektrische Anlagen zu errichten oder zu ändern. Bei Anlagen, die an das öffentliche Elektrizitätsversorgungsnetz angeschlossen sind, dürfen Tätigkeiten zudem nur von Elektrotechnikern durchgeführt werden, die in dem Installateurverzeichnis des Verteilungsnetzbetreibers (VNB) eingetragen sind.

Immer wieder kommt es daher zu Ungereimtheiten, was Rechnungen und Nachweise von Elektrofachfirmen betrifft. Beispielsweise werden von Laien auch Firmen beauftragt, die nicht anerkannt sind oder die Firmen geben fälschlicherweise vor, die Legitimation zu besitzen. Leider kann das im Schadensfall zu erheblichen finanziellen Verlusten führen. Daher sollten sich Eigentümer im Vorfeld ausreichend über die rechtlichen Vorschriften informieren.

Bei allen Elektroarbeiten wird ein Messprotokoll erstellt, welches die Rechtmäßigkeit der Installation der Anlage belegt. In diesem wird auch das Unternehmen benannt, dass die Arbeiten durchgeführt hat. Dieses Dokument ist daher sehr wichtig und unbedingt aufzubewahren.

Bunte Kabel, die aus Löchern für Steckdosen ragen

Achtung

Der Umgang mit Elektrizität fällt unbedingt in den Aufgabenbereich von Profis. Alle Arbeitsschritte und Manipulationsprozesse an elektrischen Leitungen sowie an Geräten mit elektrischer Spannung im VDE-Vorschriftenwerk unterliegen strengen Vorschriften. Die installierten Anlagen müssen ein VDE-Prüfzeichen und ein GS-Zeichen aufweisen, die ihnen bescheinigen, dass sie nach deutschen Arbeitsschutz- und Unfallverhütungs-Vorschriften geprüft und zugelassen wurden.

Spannungsfreiheit herstellen, erden, kurzschließen, das Abdecken benachbarter Geräte, die Entfernung der Schmelzsicherung: dies sind nur einige der obligatorischen Leistungen, die Sie in die Hände einer Fachfirma geben sollten.

Wie viel kostet die Elektrosanierung?

Elektroinstallationen gehören zu den Gewerken, die eher arbeitsintensiv sind und viele Fachkenntnisse erfordern. Daher setzen sich die Kosten aus ca. 60 Prozent Arbeitskosten und 40 Prozent Materialkosten zusammen. Die Kosten für eine komplette Elektrosanierung liegen um die 65-85 Euro pro qm Wohnfläche. Bei einer durchschnittlichen Dreizimmerwohnung liegen die Gesamtkosten daher zwischen 5.500-7.500 Euro.

Wie kann man bei der Elektrosanierung sparen?

Für die Arbeitsleistung der grundlegenden Elektroinstallationen fällt ein mittlerer vierstelliger Betrag an. Allerdings können Sie etliche vorbereitende Arbeiten gut in Eigenleistung erbringen. Das bedeutet, wer handwerkliches Geschick mitbringt, kann unter Umständen die Kosten ungefähr um ein Drittel verringern. Das gilt insbesondere, wenn Profis lediglich das Anschließen erledigen müssen. Wer bereits eigenständig die erforderlichen Vorbereitungen erledigt hat und sogar den Einbau selbst vornehmen kann, spart dadurch ggf. viel Geld. Aber trotzdem ist unbedingt ein Fachbetrieb nötig, der den sicheren Anschluss übernimmt. Denn Elektroarbeiten gehören aufgrund der potenziellen Gefahr zu den abnahmepflichtigen Gewerken und dürfen daher nur von bestimmten Personen in Betrieb genommen werden.

Arbeiten, die auch erfahrene Laien durchführen können, sind beispielsweise das Setzen von Unterputzdosen, das Einziehen von Kabeln in Leerrohre oder das Stemmen von Schlitzen. Jedoch sei darauf hingewiesen, dass es bei einem Kabelbrand oder einem anderen Unfall an elektrischen Anlagen immer Probleme mit der zuständigen Versicherung gibt, wenn nicht zweifelsfrei bewiesen werden kann, dass die Installation von einem professionellen Handwerker vorgenommen wurde.

Werkzeuge für Elektroinstallationen

Wie ist der Ablauf bei der Elektrosanierung?

Die Elektroarbeiten stellen oft nur einen Teil einer Wohnungssanierung dar. Denn sie ist aufwendig und da man an das Innere der Wände heranmuss, sollte die Wohnung zum Zeitpunkt der Sanierung leer stehen. Eine Kernsanierung ist im bewohnten Zustand ohnehin nicht zu bewerkstelligen. Bei einer Teilsanierung ist es möglich, Raum für Raum vorzugehen. Am Ende ist dies aber oft langwieriger als eine Komplettsanierung.

Die Schritte einer Elektrosanierung:

  1. Ist-Zustand: Bei Sanierungsobjekten empfiehlt sich die Anfertigung eines Gutachtens durch einen Experten, um den tatsächlichen Umfang und mögliche Kosten der Arbeiten realistisch einschätzen zu können.
  2. Angebote: Fragen Sie die notwendigen Leistungen bei Elektroinstallationsfirmen an und beauftragen Sie Ihren Favoriten.
  3. Planung: Die Elektroplanung sollten Sie mit einem Fachbetrieb zusammen erledigen. Denn dieser hat die Expertise und denkt auch an Dinge, die Sie vielleicht nicht auf dem Schirm haben. Erfassen Sie dazu die vorhandenen und geplanten Elektrogeräte und denken Sie auch an ausreichend Kapazität für weitere Geräte, bspw. Wall-Box oder Smart-Home-Lösungen.
  4. Entkernung: Die Wohnung oder das Haus werden komplett entkernt. Das heißt, alle beweglichen Teile, Einbauten und elektrischen Systeme sowie die Leitungen werden entfernt. Das Abklemmen des Stromkastens ist Aufgabe eines Elektrikers.
  5. Vorbereitung: Können die alten Schlitze für die neuen Leitungen genutzt werden oder müssen diese verschlossen und neue gestemmt werden? Dies klären Sie mit dem zuständigen Elektriker. Alle Steckdosen, Schalter und anderen wichtigen Installationen werden auf den Wänden markiert.
  6. Schlitze stemmen: Die Wände müssen für neue Schlitze entsprechend durch Ausfräsen oder Stemmen geöffnet werden.
  7. Unterputzdosen: Für die Steckdosen werden Löcher gebohrt und die Dosen eingesetzt.
  8. Leitungen legen: Die Leitungen werden zu allen Steckdosen, Schaltern und Lampen gelegt sowie zu allen weiteren elektrischen Systemen, wie z.B. der Lüftungsanlage. Praktisch sind Leerrohre, da hier das nachträgliche Verlegen neuer Leitungen sehr einfach fällt.
  9. Verputzen: Alle Löcher und Schlitze werden zugespachtelt und die Wände anschließend verputzt.
  10. Fertigstellung: Alle Steckdosen, Schalter und weiteren Bedienelemente anbringen.

Wie lange dauert eine Elektrosanierung?

Die Dauer der Elektroarbeiten ist abhängig von der gesamten Wohnungssanierung. Denn einzelne Arbeitsschritte sind abhängig von anderen Gewerken. Daher kommt es für die Elektriker auch zu Wartezeiten, in denen sie auf der Baustelle nicht aktiv arbeiten können. Wenn die Sanierungsplanung gut durchdacht ist, können die Elektroinstallationen von zwei bis drei Fachkräften innerhalb einer Woche erledigt werden. In der Realität ziehen sich die Arbeiten allerdings oft über mehrere Wochen hin.

Elektriker von hinten vor Sicherungskasten

Fazit

Für die Elektrosanierung sind Kompetenz und Fachwissen erforderlich. Nicht umsonst handelt es sich um ein meisterpflichtiges Handwerk. Sind die Leitungen veraltet oder beschädigt, ist eine Sanierung notwendig. Dabei steht die Sicherheit, aber auch der persönliche Komfort ganz oben.

Der Anspruch an die Hauselektrik hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Heute sind durch Computer, Smart-Geräte und diverse neue Haushaltshelfer viel mehr Geräte am Netz. Bei der Elektrosanierung ist es daher ratsam, nicht nur für den aktuellen Bedarf, sondern auch für die Zukunft zu planen. So sollten z.B. lieber ein paar Steckdosen mehr eingeplant werden. Gegen schlechtes W-LAN helfen Netzwerkkabel, die zusammen mit den Stromkabeln einfach in jeden Raum gelegt werden.

Wenn die Elektrik mehr als 40 Jahre alt ist, können Sie im Regelfall davon ausgehen, dass diese komplett erneuert werden muss. Doch diese Investition lohnt sich auf lange Sicht. Denn Strom ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken und ein plötzlicher Schaden an der Elektrik ist immer schwerer zu beseitigen, als von vorneherein gut zu planen.

Häufig gestellte Fragen

Was sind Elektroarbeiten?

Bei einer Elektrosanierung werden Elektroarbeiten, wie die Neuverlegung sämtlicher elektrischer Leitungen, der Austausch von schadhaften Steckdosen, Kabeln oder Schaltern, der Anschluss von Waschmaschine und Herd, die Installation von Starkstromanschlüssen oder auch die Installation von Funkschaltern und Bewegungsmeldern erledigt. Wichtig: Rechtlich richtig ist es, sogar, den Austausch von Lampen und Lichtschaltern nur von einer Fachkraft durchführen zu lassen.

Wen kann ich mit der Elektrosanierung beauftragen?

Da es sich bei Elektroarbeiten um ein gefahrengeneigtes Handwerk handelt, darf die Elektroinstallation nur von zertifizierten Fachkräften ausgeübt werden. Vorbereitende Arbeiten dürfen Sie in Eigenleistung ausführen, aber die Aufsicht und Abnahme der Arbeiten durch einen Meisterbetrieb müssen gewährleistet sein.

Wie viel kostet eine Elektrosanierung?

Bei Elektroinstallationen setzen sich die Kosten aus ca. 60 Prozent Arbeitskosten und 40 Prozent Materialkosten zusammen. Die Kosten für eine Elektrosanierung liegen bei ca. 65-85 Euro pro qm. Bei einer durchschnittlichen Dreizimmerwohnung liegen die Gesamtkosten daher zwischen 5.500-7.500 Euro.

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